Dauer-Ausstellung 2014

Foto: Udo Rahm

Foto: Udo Rahm

Der Krieg in Wort und Bild

[Bitte beachten Sie hierzu auch den Hinweis auf der Startseite.]

Auf Wunsch und bei Voranmeldung können auch ausgewählte andere Exponate präsentiert werden wie:

Ein Original-Luftpost-Brief, der im Mai 1936 mit der „Hindenburg“ nach Frankfurt/Main befördert wurde – rd. 1 Jahr, bevor das Luftschiff in Lakehurst in Flammen aufging;

Postkarte „Beschießung Lüttichs durch ein Zeppelin-Luftschiff;

Ostergrüsse als Postkarte mit dem Aufdruck „Deutschland, Deutschland über Alles“,

ein (Briefmarken-)Gedenkblock „Road to Victory“, mit dem die USA 1993 an die Invasion in der Normandie und den Sieg der Alliierten über Hitler-Deutland erinnerten,

ein Original-Brief „Prisoner of War“, den ein deutscher oder österreichischer Soldat aus der Gefangenschaft in den USA (New York) an seine „Puppie“ in Wien geschrieben hatte

„geschwärzte“ Hitler-Briefmarken: Auch nach Kriegsende benötigte man Briefmarken, weiterhin also wurde die Post ganz offiziell z.T. mit Briefmarken frankiert, die Hitler zeigten; allerdings wurde sein Kopf durch eigens dafür beschaffte kleine Stempel teilweise unkenntlich gemacht;

Notgeld, Postkarten/Briefmarken aus deutschen Kolonien wie Kiautschou und „Propaganda-Münzen“ (gegen das „Diktat von Versailles“) wie „Der Rhein – Deutschlands Strom nicht Deutschlands Grenze“.

Der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch veröffentlichte 1924 im Berliner Verlag „Die Schmiede“ sein wohl wichtigstes, aber aus meiner Sicht bis heute missverstandenes und deshalb viel zu wenig beachtetes Buch: „Der Fall des Generalstabschefs Redl“. Über das nur 90 Seiten umfassende Bändchen erschien im vergangenen Jahr die (von mir verfasste und umfangreiche) Neuerscheinung „Doppelagent auf höchsten Befehl?“: In dieser Interpretation von Kischs Recherchen hatten die obersten k.u.k.-Militärs offenbar das Attentat auf den Thronfolger in Sarajevo zumindest billigend in Kauf genommen, um einen „casus belli“ zu haben und den zuvor mehrfach vergeblich geforderten Angriffskrieg gegen Serbien endlich beginnen zu können.

Noch während des 1. Weltkrieges [aus dem Kontext erschließt sich: offenbar 1917]) erschien im „Selbstverlage des Kriegshilfsbüros des k.k. Ministeriums des Innern“ [das K r i e g s hilfsbüro war somit im I n n e n ministerium] und „mit Unterstützung der Zentralredaktion der k.k. Schulbücher-Verläge“ [Krieg als Thema für eine Z e n t r a l redaktion von Schul-buchverlagen…] ein „Patriotisches Bilderbuch“. Im Vorwort des Leiters des Kriegshilfsbüros, Dr. Eduard Prinz v. und zu Liechtenstein, heißt es:

„Eine Welt steht in Feuer und Waffen: drei Großmächte und drei Kleinstaaten haben in Europa zwei Großmächte überfallen, die nichts anderes als Sühne für den grausen Mord eines künftigen Herrschers wollten und die Sicherstellung ihres ungestörten ferneren Bestehens forderten. […] So möge denn dieses „Patriotische Bilderbuch“ hinausflattern in die Lande, möge es auf keinem Weihnachtstische [!!!] fehlen, möge es Begeisterung entfachen in der Jugend, Siegeszuversicht stärken im Alter und Vaterlandsliebe in den Herzen von groß und klein entzünden.“

Bekanntlich brach der 1. Weltkrieg 1914 aus. Ein Jahr v o r h e r veröffentlichte der deutsche General Friedrich von Bernhardi bereits in 6. Auflage (!) seit 1911 [somit 3 Jahre v o r dem 1. Weltkrieg] erschienenes Buch „Deutschland und der nächste Krieg“, erschienen im renommierten Verlag J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger. Auch hieraus ein Zitat, aus dem Vorwort zur 1 bis 5. Auflage [also mehrere Jahre v o r dem 1. Weltkrieg, wobei v. Bernhardi erwähnte, dass er seine Manuskripte „zum Teil schon vor längerer Zeit niedergeschrieben“ habe]:

„Eine tiefe Erregung hat während des Sommers und Herbstes 1911 alle national gesinnten Kreise des deutschen Volkes ergriffen. […] Eine tiefe Kluft hat sich aufgetan zwischen dem Empfinden der Nation und dem diplomatischen Vorgehen der Regierung.“

Auch hierin könnte ein Hinweis gesehen werden: Wie in Österreich-Ungarn w o l l t e das Militär auch im deutschen Kaiserreich den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln…

Schon 3 Jahre (1921) nach dem verlorenen Krieg (und der sofort verbreiteten „Dolchstoßlegende“) veröffentlichte General Gustaf v. Dickhuth-Harrach im Münchener J. F. Lehmanns Verlag „Im Felde unbesiegt, Der Weltkrieg in 28 Einzeldarstellungen“; bereits im selben Jahr erschien das offenbar den Zeitgeist treffende Werk in 2. und erweiterter Auflage (…, Der Weltkrieg in 29 Einzeldarstellungen) und im Jahr darauf erschien als Band 2: „Im Felde unbesiegt, Erlebnisse im Weltkrieg, erzählt von Mitkämpfern“. Bei Band 2 ist sogar der originale Schutzumschlag erhalten; hier ein aufschlussreiches Zitat aus dem „Klappentext“:

„Aus den „Unbesiegt-Büchern“ [= „Im Felde“ ist „entfallen“] spricht der Geist der Frontsoldaten in w a h r h e i t s g e t r e u e n Schilderungen der heroischen [!] Kampfeshandlungen…“.

Im Berliner Verlag E. S. Mittler & Sohn erschien 1923 aus der Feder von „Kronprinz Wilhelm“ [Victor August Ernst von Preußen] „Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf“. – Aufschlussreich ist hierzu die Biografie des Autors bei „Wikipedia“…

10 Jahre nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde erstmals über einen Krieg eine umfassende Fotodokumentation veröffentlicht: das 2-bändige Werk „Der Weltkrieg im Bild“, erschienen im Verlag „Der Weltkrieg im Bild“ (Berlin und Oldenburg). „Das amtliche Werk […], Frontkämpfer-Ausgabe mit [weit über 1000] authentischen Aufnahmen“ war im Buchhandel nicht erhältlich, sondern konnte nur bei einer „Vertriebsstelle amtlicher Schriften des Reichsarchivs“ in der Münchener Landwehrstraße bestellt werden. Band 1 mit einem Vorwort von Reichsarchivrat Major a.D. George Soldat trägt den Untertitel „Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht“, Band 2 mit einem Vorwort von Werner Beumelburg den Untertitel „Frontauf-nahmen aus den Archiven der Entente“. In Soldans Vorwort heißt es:

„Ein Erinnerungswerk für die Teilnehmer am Krieg! Dankbar werden es die Kämpfer begrüßen, daß ihnen hier von berufener Seite gerade die Bilder festgehalten worden sind, an denen sie selber in der Aufregung und in der Hetze der Schlacht vorbeieilen mußten. Nicht nur die Furchtbarkeit des Erlebens fesselt und ruft Erinnerungen wach! Für das überlebende Geschlecht steht im Vordergrunde, daß aus dem Getose der Schlacht über den Krieg hinaus herbe, kraft- und willensvolle Gestalten erwuchsen, die auch nach dem Schicksalsschlage des Zusammenbruchs, nach vierjährigem Ringen nicht den Glauben an sich selber und an eine Zukunft ihres Vaterlandes verlieren wollen.“

Nach dem verlorenen Krieg dankte Kaiser Wilhelm II. am 28.11.1918 ab. Damit (bzw. bereits am 9.11. durch die Ausrufung der Deutschen Republik) endete das Deutsche Kaiserreich. – Indirekt erinnert daran eine Ausgabe von 1861 aus dem J. G. Cotta’schen Verlag (Stuttgart) von Schillers „Maria Stuart“ mit dem Stempel auf dem Vorsatzpapier „Kaiserlich Deutsches Konsulat. Genf.“

Und an den Krieg selber erinnert eine (undatierte) „Goethe-Kriegsausgabe“ (so auf dem Einband deklariert) aus dem Insel-Verlag/Leipzig von Götz von Berlichingen sowie Egmont.

Zu sehen ist im Buch-Museum Nordstrand auch eine Zeitungsausgabe (No. 18/19) vom 24.12.1914: „Kriegszeit. Künstlerflugblätter“, begründet und herausgegeben von Paul Cassirer und Alfred Gold. Die Titelseite dieser Ausgabe zu Heiligabend (!) zeigte mit Gewehren vorstürmende Soldaten mit der Bildzeile: „Marsch. Marsch. Hurrah!!“ In der ausgestellten Ausgabe finden sich u.a. das „Kaiserlied“ von Engelbert Humperdinck und der Hinweis des Verlages: „Max Liebermann, […] Ernst Barlach, […] Käthe Kollwitz […] werden unsere Zeichner bleiben.“

Verlauf und Ausgang des 1.Weltkrieges bedeuteten auch das Ende Deutschlands als Kolonialmacht. Das machte das nachstehende Werk deutlich: [Major a.D.] Kurd Schwabe, Dr. Paul Leutwein (Hg.), „Die deutschen Kolonien, Jubiläumsausgabe zur vierzigjährigen Wiederkehr des Beginns der deutschen Kolonialgeschichte“, vollständig neu bearbeitet, unter Mitarbeit von Hans Dominik, Major, Heinrich Fonck, Oberstleutnant a.D. Dr. Albert Hahl, Gouverneur a.D., Friedrich Hupfeld, Direktor der Deutschen Togogesellschaft, Alfred Meyer-Waldeck, Vizeadmiral und Gouverneur a.D., Dr. Hermann Paasche, Professor, Geheimer Regierungsrat, Hans von Ramsay, Oberstleutnant a.D., Otto Riedel, Diektor der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln, mit 251 Farbenphotographien nach der Natur, 40 Tafelbilder und 211 Bilder im Text, Großformat, Goldschnitt, Berlin 1925.

Untrennbar – und zwar negativ (zu dessen Vita sei erneut auf Wikipedia verwiesen)– verbunden mit der deutschen Kolonialgeschichte ist der Name Carl Peters. Der Sohn eines evangelischen Pastors gilt als Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Deutlich wird seine rassistische Grundeinstellung u.a. in seinem 1902 im Münchener J. F. Lehmanns Verlag erschienenen Buch „Im Goldland des Altertums, Forschungen zwischen Zambesi und Sabi“. Im Dritten Reich wurde Carl Peters u.a. gewürdigt durch eine (im Nordstrander Buch-Museum ebenfalls ausgestellte) „Kriegs-Postkarte“ des Winterhilfswerkes.

Der deutsche Journalist Rudolf Kindt, einst Mitglied im „Landesrat“ in Deutsch-Südwestafrika“, wurde seinerzeit bekannt durch seine „Durchhalte-Parolen“, die er vom 15. Mai bis 3. Juni 1915 in seinen „Kriegsnachrichten“ „mit Beihilfe des Kommandos der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika“ herausgegeben hatte. – Kaum bekannt ist dagegen sein Buch „Das Erste Märchen“, in dem er 1927 – nunmehr DNVP-Landtags-Abgeordneter im Volksstaat Hessen – die biblische Schöpfungsgeschichte in der Überlieferung der „Hottentotten“ (heute: Khoi khoi) beschrieb (erschienen in einer Auflage von nur 460 Ex. in der „Ernst-Ludwig-Presse“, die der Großherzog von Hessen, Ernst Ludwig, 1907 in Darmstadt gegründet hatte). Danach hatte Gott seinen (männlichen) Lieblingsengel namens „Liebe“ als erste Frau („Eva“) an „Adams“ Seite gestellt. Dieses Werk ist von mir 2011 in einer kommentierten Neuauflage wieder veröffentlicht worden.

Ein Kuriosum zum Thema „Deutschland als Kolonialmacht“ stellt ein Werk des Nordschleswigschen Autors Johannes Dose dar, der unter dem (wenig aussagekräftigen) Originaltitel „Ein alter Afrikaner, Erzählung“, 1913 in der Hinstorffschen Verlagsbuchhandlung (Wismar) einen Kolonialzeit-Roman veröffentlicht hatte. Das Buch wurde unter dem Titel „Expedition durch Tanganjika und der Aufstand der Herero“ in überarbeiteter Fassung von mir 2010 neu aufgelegt. Dort heißt es im „Klappentext“:

„Bis ins Detail beschreibt der Theologe und einstige Bestseller-Autor Johannes Dose Landschaften, Flora, Fauna und die Menschen in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika, eine gefährliche Afrika-Expedition zum Tanganjika-See, den Elfenbeinhandel und ausführlich auch den Herero-Aufstand, in den die Romanfigur, der Hamburger Landgerichtsratssohn Erb von Erbenheim, verwickelt war – doch der Autor selbst hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt. „Ein alter Afrikaner“ stützt sich höchstwahrscheinlich auf Angaben eines Anhängers von Oberst Theodor Leutwein (oder eines Kritikers von Generalleutnant Lothar v. Trotha), der an der Niederschlagung des Herero-Aufstandes beteiligt war und sich durch die deutsche Kolonialpolitik und die Berichterstattung in den deutschen Tageszeitungen brüskiert fühlte. Mit Doses Roman sollten die Bedeutung der deutschen Kolonien in Afrika und der Ruf der deutschen Soldaten wieder hergestellt werden. In Doses Kolonialzeit-Roman wird auf erschreckende Weise deutlich, welches Welt- und Menschenbild noch vor gerade einmal 100 Jahren selbst in gebildeten Kreisen des deutschen Bürgertums vorherrschte; was in der Aussage des Theologen [!] Dose gipfelte: „Die Germanen bleiben – Gott sei Dank! – trotz der blöden Friedenssucht [!] unserer Tage ein kampffrohes Geschlecht.“

Vom selben Autor stammt der m.W. einzige historische R o m a n über die Schlacht bei Düppel von 1864 (und über Haithabu und das Danewerk). Das Buch unter dem Titel „Düppel“ erschien (ebenfalls in der Hinstorffschen Verlagsbuchhandlung) ausgerechnet 1914 und somit parallel zum Ausbruch des 1. Weltkrieges. Da das über 400 Seiten umfassende Original häufig Formulierungen enthält, die unseren dänischen Nachbarn nicht erneut zugemutet werden sollten, erschien dieser Kriegsroman 2011 in einer auf rund 70 Seiten gekürzten Fassung von mir, bei der nur der ,rote Faden’ beibehalten wurde. Bei der Schlacht von Düppel waren m.E. erstmals die neuartigen, bei Krupp gegossenen Geschütze eingesetzt worden.

Bei den nächsten beiden Exponaten geht es um die besondere E r –             s c h e i n u n g s f o r m der Titel: „Der Schmetterling“ von Wilhelm Busch erschien in der 25. Auflage aus der Friedr. Bassermann’schen Verlagsbuchhandlung/München mit dem Stempeleindruck „Alfred-Rosenberg-Spende für die Deutsche Wehrmacht + 1939/42 + Gau Westmark“

Knut Hamsuns „Victoria. Die Geschichte einer Liebe“, erschienen im Verlag Albert Langen / Georg Müller (München), enthält auf dem „Schmutztitel“ den Eindruck „Einmalige Sonderausgabe der Zentrale der Frontbuchhandlungen Paris“.

Karl Baedeker (1801–1859) hatte die weltberühmten Reisehandbücher „erfunden“. 1945 erschien im von ihm begründeten Verlag, aufgrund einer Anregung durch Reichsminister Dr. Hans Frank, ein Reisehandbuch über Polen , in dem das Wort  P o l e n   im Titel gar nicht auftaucht, sondern: „Das Generalgouvernement“! Auf Seite XXI heißt es dort:

„Die Kultur dieses Landes ist jedoch in der Entwicklung so zurückgeblieben, wie wir dies sonst in Mitteleuropa nicht kennen. Die unerschöpfliche Gestaltung der Landschaft, ja eine Verunstaltung mit der Folge der Versteppung und ,Wüstwerdung’ und der sehr große Rückstand in allen Zweigen der Kultur liegt ganz vorwiegend in dem Wesen und der Rasse der einheimischen Bevölkerungen und einer Einstellung zum Dasein begründet, die dem deutschen Menschen völlig fremd ist [… und] so wird der Kulturforscher späterer Zeiten feststellen können, daß erst mit der deutschen Inbesitznahme dieses Raumes dessen kulturelle Angliederung an den deutsch-mitteleuropäischen Lebensraum, vollendet wurde.“

[Wenn schon nicht der Autor, so ist wenigstens dieses unsägliche Buch nun „eingesperrt“ im Museum…]

Ein ganz besonderes Ausstellungsstück im Nordstrander Buch-Museum ist ein Original – oder eine sehr gut gemachte Fälschung – eines Flugblattes vom „Kommando der 1. Bjelorussischen Front der Roten Armee“ parallel zur Eroberung von Berlin. Hier Ausschnitte:

„An die Zivilbevölkerung von Berlin und der Provinz Brandenburg! Der von der verbrecherischen Hitlerclique entfesselte Weltkrieg geht in Europa zu Ende. Die Besatzung von Berlin hat kapituliert. Berlin ist vollständig in den Händen der Roten Armee. […] Ihr müßt wissen, daß jeder Versuch feindseliger Aktionen gegen die Rote Armee von seiten der nazistischen Elemente sofort und entschieden niedergeschlagen wird. Merkt Euch, daß für feindselige Aktionen gegen die Rote Armee nicht nur die Personen, die etwas Derartiges durchgeführt haben, zur Verantwortung gezogen werden, sondern auch die Bevölkerung jenes Bezirks, in welchem diese Verbrechen stattgefunden haben […]“

Adolf Hitlers „Mein Kampf“ oder Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ werden selbstverständlich im Nordstrander Buch-Museum nicht präsentiert – stattdessen -2- (von bislang 60) Ausgaben der Sammleredition „Die Tageszeitung in der Zeit des Nationalsozialismus“ und „Das unlesbare Buch“ (Albertas Limited, o.O. 2012): 2012 hatte Hitlers „Mein Kampf“ in Originalauszügen und mit Expertenkommentaren erscheinen sollen, doch dann erschien „Teil 1: Autobiografie“ mit unkenntlich gemachten Originaltexten – „bis alle moralischen, politischen und rechtlichen Argumente dazu ausgetauscht und diskutiert wurden“.

Meine Geburtsstadt Gießen – eine Universitätsstadt und damals wichtiger Eisenbahnknotenpunkt – war in der Endphase des 2. Weltkrieges als Führerhauptquartier im Gespräch; woraufhin am Nikolaustag 1944 Gießen schwerstens bombardiert wurde. Dabei wurde auch die elterliche Druckerei getroffen, war aber teilweise noch imstande, Druckerzeugnisse herzustellen. So wurden dort nach Kriegsende auch Befehle der US-Miliärregierung in Hessen gedruckt, die auf Wunsch gezeigt werden können. – Alles, was gedruckt wurde, erforderte mehrere Jahre lang eine Zulassung der US-Militärregierung. So durfte sogar die 1. Nachkriegsauflage des „Struwwelpeter“ von Dr. Heinrich Hoffmann 1947 (1. bis 20. Tsd.) erschienen bei Jos. Scholz Mainz, Verlag Wiesbaden; noch mit den alten Bildern) nur mit „Zulassung Nr. US – W – 2008 der Nachrichtenkontrolle der Miliärregierung“ veröffentlicht werden.

In der Reihe „Die Blauen Bücher“ erschien im Karl Robert Langewiesche Verlag/Königstein im Taunus 1953 das Buch „Deutschland in 111 Flugaufnahmen“ samt Hinweis: „Einige Aufnahmen dieses Buches zeigen den Zustand vor der Zerstörung während des letzten Krieges“. – Im Rahmen eines eigenständigen Vortrages über die ersten Bücher mit 3-dimensionalen Abbildungen wird im Nordstrander Buch-Museum auch das Werk „Deutsche Gaue“ von Alfons von Czibulka mit 200 „Raumbildaufnahmen“ (darunter einigen auch aus Nordfriesland), erschienen 1938 im Raumbildverlag Otto Schönstein/Diessen am Ammersee), präsentiert. Auch dieses Werk enthält natürlich Abbildungen aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg.

Abgerundet wird die kleine Dauerausstellung zum Thema „Der Krieg in Wort und Bild“ durch das zweibändige Werk von Paul Kittel, „Die deutschen Befreiungskriege, Deutschlands Geschichte von 1805 – 1815“ von Hermann Müller-Bohn veranlasst und herausgegeben von Paul Kittel mit Bilderschmuck von Professor Carl Röchling, Professor Richard Knötel, Prosfessor Woldemar Friedrich und Kunstmaler Franz Stassen. 2 Bde. Berlin o.J. Verlag von Paul Kittel/Historischer Verlag, Hofbuchhändler Seiner Majestät des Kaisers und des Königs, gewidmet dem Kronprinzen des Deutschen Reiches, Großformat mit geprägem Einband und Farbschnitt, mit hunderten von oft farbigen Abbildungen, 408 sowie 944 Seiten.

Als früher Vorgänger des „Patriotischen Bilderbuches“ aus Österreich-Ungarn könnte angesehen werden: „Vaterländisches Ehrenbuch“ von Eduard Grosse und Franz Otto, in 2. Aufl. 1863 in der Verlagsbuchhandlung von Otto Spamer (Berlin und Leipzig) erschienen. Wie bei Kittels Publikation behandelt das Buch die „wichtigsten Ereignisse aus der Zeit der Befreiungskriege. In Bildern aus den Jahren 1813 und 1815“.

Der Inseltaler

Entwurf: Helmut Liley, Schobüll

Entwurf: Helmut Liley, Schobüll

… hat einen realen historischen Vorläufer: Vor rund 500 Jahren (1522) war für kurze Zeit der „Husumer Silbertaler“ geprägt worden.

So entstand im Buchmuseum Nordstrand die Idee, einen „Inseltaler“ zu kreieren, der attraktiv auf das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer aufmerksam macht und bei Touristen in ganz Nordfriesland zu einem beliebten Mitbringsel werden könnte. Die Idee wurde von dem Künstler Helmut Liley durch seinen oben abgebildeten Entwurf unterstützt.

Sobald genügend Vorbestellungen vorliegen (bei Interesse können Sie ab sofort per email an das Buch-Museum Nordstrand vorbestellen: 1 „Inseltaler“ kostet 5, €), wird der „Inseltaler“ bei einem Spezialhersteller in Auftrag gegeben.

Entwurf: Helmut Liley, Schobüll

Entwurf: Helmut Liley, Schobüll

Und wer weiß: Falls Tourismusorganisationen, Vermieter und (Gast-)Gewerbe“ „mitziehen“, könnte der „Inseltaler“ vielleicht sogar als eine Art „Gutschein“ im Wert von 5,- € genutzt werden…

Vom heimischen Seidenschwanz zu den Darwin-Finken auf Galapagos

Blick in das ,Magazin' der Naturkundeabteilung

Blick in das ,Magazin‘ der Naturkundeabteilung

Warum man den „Darwinismus“ statt auf den Galapagos-Inseln auch bei uns vor der Haustüre hätte erkennen können

Meine Damen und Herren,

ganz bewusst wähle ich einen ungewöhnlichen Einstieg in das Thema.

Das hier ist – er heißt eben so – ein Seidenschwanz.

Wie Sie sehen können: Er ist nur knapp 20 Zentimeter groß und – das kann man allerdings nur ahnen, denn der hier sitzt ja auf einem kleinen Ast mit Standfuß – er wiegt nur 50 bis 60 Gramm.

Diesen Seidenschwanz hier kann man aus nächster Nähe sehen; er ist ja tot, ausgestopft und kann nicht wegfliegen; und das w ü r d e   er tun, wenn man ihm zu nahe kommt.

In der freien Natur – der Vogel kommt bei uns v o r – können Sie ihn also nur aus einiger Entfernung sehen: Dann sieht man aber n i c h t diese Federhaube, die kann der Vogel als Imponiergehabe teilweise aufrichten, und auch nicht die bunten Federn hinten am Schwanz.

Also hält man dieses Tier für einen unscheinbaren Vogel.

Jetzt habe ich schon erwähnt: Der Seidenschwanz kommt bei uns vor; ist aber selten; normalerweise. Normalerweise heißt in diesem Fall: Von Zeit zu Zeit kommt dieser Vogel  m a s s e n w e i s e dort vor, wo man ihn sonst kaum einmal sieht. Das hat vermutlich etwas mit dessen Hauptnahrung zu tun, der Eber-Esche bzw. deren Früchte; aber so ganz ist das noch nicht erforscht.

Ein kleiner Gedankensprung: Wenn Forscher heutzutage zum Beispiel einen Welt-Klima-Bericht vorlegen, dann enthält eine solche wissenschaftlich belegte Studie Fakten, die man als klare Vorzeichen werten muss – für das, was uns droht, wenn der Mensch auf der Welt so weitermacht wie bisher.

Seidenschwanz

Seidenschwanz

Im Mittelalter ging man mit dem Begriff „Vorzeichen“ ganz anders um: Was man sich nicht erklären konnte, beispielsweise das plötzlich massenhafte Auftreten dieses Vogels, das wurde als Vorzeichen gesehen, als böses Omen. Und so wurde der Seidenschwanz als Sterbe-Vogel, sogar als Pest-Vogel, in Misskredit gebracht.

Hätte man g e n a u e r hingesehen, dann hätte man sich fragen müssen: Warum sollte ausgerechnet ein so harmloser Nicht-Fleisch- oder Aas-, sondern Beeren-Fresser und noch dazu ein so hübscher kleiner Kerl als böses Omen gelten???

Es mag kurios klingen, wenn ausgerechnet jemand wie ich, der so schlecht sieht, das sagt:

Man muss eben bei allem und jedem g e n a u hinsehen!

Und jetzt sehen wir uns einmal gemeinsam diese beiden anderen heimischen Vögel genauer an: Der eine ist ein Kernbeißer und der andere ein Fichten-Kreuzschnabel. Beide gehören zur Familie der Finken, Sie erinnern sich: Amsel, Drossel, F i n k und Star… Aber bei „Fink“ denkt man zunächst an den weit verbreiteten Grün-Fink, den Buch-Fink und an den wohl (neben der Blauracke*)) buntesten Vogel hierzulande,den Distel-Fink. [Gegebenenfalls zeigen: Tafel 6 aus „Unsere einheimischen Vögel, Gera 1909]

Die habe ich nicht als ausgestopfte Tiere, aber hier auf den Abbildungen können Sie sehen:

Grün-, Buch- und Distelfink (a.a.O., Tafeln 8 und 9) haben ganz „normale“, unauffällige Schnäbel. Und betrachten Sie jetzt einmal die Schnäbel dieser beiden Vögel: Der Kern-Beißer – daher hat er seinen Namen – hat einen derart riesigen und beißkräftigen Schnabel, dass er damit die harten Kerne von Früchten knacken kann; und der Kreuz-Schnabel hat diese ungewöhnliche Schnabelform, weil man damit viel besser an die Samen von Fichtenzapfen kommen kann.

Und das bedeutet: Die Evolution hat also bei uns vor der Haustüre Finken hervorgebracht mit ganz verschiedenen Schnäbeln: „normale“ Schnäbel wie bei Grün, Buch- und Distelfink¸ gekreuzte Schnäbel wie beim Fichten-Kreuzschnabel und riesige, enorm beißkräftige Schnäbel beim Kernbeißer.

Und damit sind wir mitten drin in einem der spannendsten Kapitel der Naturforschung – und zugleich der Menschheitsgeschichte.

Ausgerechnet Finken soll es gewesen sein, die Charles Darwin zu seinen bahnbrechenden Erkenntnissen und zur Entwicklung der Evolutionstheorie veranlasst haben. Sie haben meine Skepsis sicher herausgehört: Ich melde an der Darstellung meine Zweifel an.

Doch wenden wir uns erst einmal den unstrittigen Tatsachen zu: Der in Dublin/Irland geborene anglikanische Erzbischof James Ussher (1581-1666) hatte eine „Weltgeschichte“ verfasst und anhand der genealogischen Angaben in der Bibel zu den Nachkommen von Adam und Eva – aus heutiger Sicht absurder Weise – festgelegt: Der liebe Gott hatte die Welt

am 23.Oktober 4004 v. Chr. erschaffen! – Es gibt übrigens noch immer religiöse Eiferer, die diesen oder ähnlichen Unsinn heute noch glauben. Nebenbei bemerkt: Ich habe mich damit in zwei Büchern befasst; aber dazu gibt es einen anderen Vortrag.

Deshalb kommen wir jetzt zurück zu dem von mir hoch geschätzten Charles Darwin, der übrigens auch ein hervorragender Botaniker war [zeigen: Sie sehen hier sein Werk über Insectenfressende Pflanzen und über Orchideen, das erste ist sogar in meinem Verlag als Neuauflage erschienen]. – Dies nur als kurzer Hinweis, damit niemand glaubt, ich hätte irgendetwas gegen Darwin…; ich habe sogar eine ganze Menge Verständnis für ihn.

Denn: Wie viele andere Forscher auch, stand Darwin bei seiner Forschung vor einem damals fast unlösbaren Problem. Was die Kirche damals vertrat, das war quasi unumstößlich. Und da ja die Welt angeblich am 23. Oktober 4004 v. Chr. geschaffen worden war, konnte zu Darwins Zeiten – der lebte von 1809 bis 1882 – „logischer Weise“ nichts auf der Welt älter sein als rund 6.000 Jahre… Fand man beispielsweise einen solchen Saurier-Zahn, dann stand man vor einem Problem: Zwar konnte nichts auf der Welt älter sein als rund 6000 Jahre; aber dieser mehr als 10 cm lange Saurierzahn hier ist mindestens 66 Millionen Jahre alt…

[Wenn Sie möchten, kann ich auf diesen Mosasaurus später noch näher eingehen; er ist das „wert“…] Außerdem musste man sich fragen: Warum hatte der liebe Gott vor vermeintlich maximal rd. 6000 Jahren ein derartiges Tier erschaffen? Warum war dieses Tier ausgestorben und warum fand man so wenig versteinerte Überreste davon? So starke Knochen eines so großen Tieres hätten doch rd. 6000 Jahre ganz gut ,überstehen’ müssen.

Vor ä h n l i c h e n Fragen stand unser guter alter Darwin, als er mit der „Beagle“ [Brief-marken zeigen] von 1831 bis 1836 fast 5 Jahre lang auf einer Forschungsreise war, u.a. auf den legendär gewordenen Galapagos-Inseln… Das konnte der sich leisten, denn Darwin lebte als finanziell gut gestellter „Privatier“. – Genau auf diesen Aspekt komme ich nachher noch einmal zurück.

Was war nun sozusagen die „Ausbeute“ dieser beinahe 5-jährigen Expedition?: Fast 4.000 Häute, Felle, Knochen und Pflanzen, weitere rd. 1500 Präparate in Spiritus und rd. 2000 Seiten Notizen. Und – ich sage ganz klar: das ist meine T h e s e ! – genau in dieser Material- F ü l l e lag das Problem. Mit der Auswertung all dieses Materials und seiner Notizen

war Charles Darwin j a h r e l a n g intensivst beschäftigt.

Und jetzt komme ich wieder zurück auf mein Credo: Man muss ganz genau hinsehen!: Erst 1859, also nach über 20 Jahren, veröffentlichte Darwin sein Werk über die Entstehung der Arten. Mit den V ö g e l n auf den Galapagos-Inseln hatte er sich gar nicht intensiv beschäftigt, aber die für die Evolutionstheorie so wichtigen Finken auf den Galapagos-Inseln sind nach Darwin benannt. Da stellt sich die Frage: warum?

A n g e b l i c h hatte Darwin den entscheidenden Impuls für seine Evolutions-Theorie durch die Erkenntnis bekommen, hier natürlich vereinfacht dargestellt: Aha! Auf den rund 100 kleineren und größeren Galapagos-Inseln gibt es mehrere verschiedene Finkenarten. Dann wird es wohl irgendwann einmal -1- Finkenart gegeben haben, die sich dann auf den verschiedenen Inseln mit unterschiedlichem Nahrungsangebot unterschiedlich entwickelt hat. Folglich hat der liebe Gott nun doch nicht für jede einzelne Insel verschiedene Finken erschaffen,sondern die verschiedenen Arten haben sich nach und nach sozusagen von sich aus entwickelt.

An dieser Stelle ganz kurz ein rein persönlicher Hinweis: Eine Evolution solcherart ist m.E. durchaus mit der Religion vereinbar: Irgendwann kann ja der „Urknall“, mit dem unser Universum entstand, durchaus nach dem Plan Gottes entstanden sein; und dass sich dann im Laufe der Jahrmillionen die unterschiedlichsten Lebensformen entwickelt haben, bedeutet m.E. auch keinen Widerspruch: Dass es Naturgesetze gibt und dass sie so sind, wie sie – nach unserer derzeitigen Erkenntnis – sind, das kann ja ebenfalls dem Schöpfungsplan Gottes entsprechen. – Jetzt aber zurück zum belegbaren Geschehen:

Machen wir uns nochmals bewusst: Charles Darwin hatte seine Forschungsreise u.a. zu den Galapagos-Inseln von 1831 bis 1836 unternommen. Es gibt – wie schon erwähnt – Hinweise darauf, dass sich Darwin nun gerade für die Vögel auf den Galapagos-Inseln n i c h t sonderlich interessiert hatte. Jemand anders hatte das getan: Der zunächst nur Tier- M a l e r , dann Vogel k u n d l e r John Gould (1804 – 1881).  Und d e m hatte Darwin nach seiner Rückkehr die Finken von den Galapagos-Inseln zur genauen Untersuchung übergeben. Und   G o u l d war es, nicht Darwin!, der erkannte, dass die Finken von den Galapagos-Inseln eine eigenständige Gruppe darstellen. Und es war dieser John Gould, der 1837 diesen Bericht hier [zeigen] über die Galapagos-Finken aus Darwins Sammlung veröffentlicht hatte. – Übrigens: Dieser m.E. bunteste Vogel der Welt, die Gould(s)-Amadine [Briefmarke und Texte zeigen, bei Interesse erläutern], ist nach diesem Herrn Gould benannt; genau genommen: Er hatte diese „Pracht-Finken“ zwischen 1838 und 1840 in Australien entdeckt und sie als charmanter Mann nach seiner Frau benannt. – Doch auch j e t z t noch, – nach Goulds Veröffentlichung

über die Vögel auf den Galapagos-Inseln – findet sich nach meiner Kenntnis  k e i n Beweis, dass Darwin aufgrund der „Darwin-Finken“ und seiner angeblichen Rückschlüsse daraus bereits damals den Darwinismus erkannt hätte.

Aber a n g e b l i c h soll das so gewesen sein; und aus reiner Angst vor der Kirche und anderen etwaigen Kritikern (s)einer Evolutionstheorie soll der große Charles Darwin dann über 20 Jahre lang seine angeblich bereits gewonnenen Erkenntnisse für sich behalten haben.

An dieser Stelle muss ich noch einen Zeitgenossen von Darwin benennen und Sie werden gleich verstehen, warum: Ern(e)st Dieffenbach (1811 – 1855), übrigens gebürtiger Giessener wie ich, war ein Forscher, der heute fast völlig vergessen ist, aber eigentlich einen kompletten eigenen Vortrag „wert“ wäre. – An dieser Stelle nur so viel: Das erste größere Werk, aus dem man auf deutsch von Darwins Forschungsreise mit der „Beagle“ erfuhr, [das ist dieses extrem seltene Werk] stammt aus der Feder von diesem Herrn Dieffenbach [übrigens ist in meinem Verlag auch eines seiner Werke neu herausgebracht worden]. Dieses Buch hier ist 1844 erschienen: Es handelt sich um die Übersetzung von Darwins eigenem Werk über seine Forschungsreise. Und Dieffenbach stand in engem Kontakt u.a. mit Darwin. Wenn also in Dieffenbachs Übersetzung etwas Falsches gestanden hätte, dann wäre das Buch m.E. fraglos so nicht erschienen. Und jetzt lese ich Ihnen einmal vor, was der Darwin-„Vertraute“ Dieffenbach im Jahre 1844 über die „Darwin-Finken“ schrieb bzw- aus Darwins eigenem Text übersetzt hatte; wohlgemerkt: Nach Darwins Rückkehr von seiner Expedition mit der Beagle waren zu diesem Zeitpunkt bereits 5 Jahre vergangen und es war inzwischen Goulds wichtige Publikation über die Galapagos-Finken erschienen: Doch es heißt in Teil 2 von Darwins bzw. Dieffenbachs Buch auf Seite 154f. lediglich: [„wörtlich zitieren: …]

Sie sehen: Die verschiedenen Finken-Arten auf den Galapagos-Inseln werden zwar erwähnt und auf Goulds Forschung wird hingewiesen. Aber n i c h t s deutet darauf hin, dass Charles Darwin bereits zu diesem Zeitpunkt die Bedeutung dieser Finken für die Evolutionslehre erkannt hatte.

Und jetzt kommen wir nochmals zu einem anderen Forscher, dessen Namen Sie möglicherweise noch nie gehört haben: Alfred Russel Wallace (1823–1913). Und ich komme dabei, wie angekündigt, a u c h auf den Punkt zurück, dass Darwin als finanziell gut gestellter Privatier forschen konnte. Wallace hatte da weniger Glück. Auch das wäre einen

eigenen Vortrag „wert“. Hier nur so viel: Wallace war wie Darwin ein genialer Forscher, hatte aber anders als Darwin kein Geld und war vergleichsweise unbekannt. Und dass er im Alter später eine Rente bezog, das hatte Wallace unserem Charles Darwin zu verdanken. – Alles das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sich jetzt mit dem damaligen Geschehen befasst: W a l l a c e  hatte den D a r w i n i s m u s entdeckt, jedoch sein Manuskript an Darwin geschickt. Und j e t z t veröffentlichte Darwin – „blitzartig“ nach angeblich über 20 Jahren Zögern – sein Werk über die Entstehung der Arten…

Nebenbei bemerkt: Da stellt sich die Frage: Angeblich hatte Darwin seine Erkenntnisse schon seit über 20 Jahren, hatte sie aber aus Angst geheim gehalten. Weshalb war denn diese angebliche Angst plötzlich weg, dass Darwin  j e t z t seine Erkenntnisse veröffentlichte??? An der Lage der Dinge hatte sich ja nichts verändert; das Einzige, was anders war, bestand darin: Wallace hatte den „Darwinismus“ (vielleicht sollte man sogar „Walleceismus“ sagen) entdeckt und das Ganze zu Papier gebracht. – Jetzt aber kam es urplötzlich dazu, dass Darwin die Evolutionsthesen veröffentlichte, und dabei wenigstens der Name von Wallace mit genannt wurde.

Es wird wohl immer eine „Glaubensfrage“ bleiben, welcher Anteil am Darwinismus Charles Darwin und welcher Anteil Alfred Russel Wallace zukam. Aber eines wird kaum bestritten werden können: So wie einst Cäsar nicht alleine Gallien eroberte, sondern wenigstens sprichwörtlich einen Koch dabei hatte, so hatte Charles Darwin nicht allein die Evolutionstheorie entwickelt. Im gleichen Atemzuge müssten auch Wallace, Gould, Mantell, Lyell, de la Beche und viele andere genannt werden. – Als versuchte Rehabilitierung habe ich übrigens auch eines von Wallace’ Werken vor einigen Jahren in meinem Verlag ebenfalls neu veröffentlicht.

F ü r m i c h – aber das ist eben nur eine m.E. p l a u s i b l e These – ist klar: Erst nach dem Lesen von Wallace’ Werk fiel es Darwin wie Schuppen von den Augen und erst j e t z t erkannte er die Bedeutung der „Darwin-Finken“ für die Evolutionslehre.

Und b l e i b e n wir ruhig bei m.E. nahe liegenden Hypothesen: Schauen Sie sich hier einmal die Abbildung der Darwin-Finken von den Galapagos-Inseln an und hier meinen heimischen Kernbeißer, den Fichtenkreuzschnabel und den Grünfinken auf der Abbildung:

Statt aufgrund der Darwin-Finken von den Galapagos-Inseln hätte man beim Studium unseres Kernbeißers, des Grünfinken und des Kreuzschnabels auch bei uns vor der Haustüre statt fernab von hier der Evolution auf die Spur kommen können…

Wenn man also mit offenen Augen durchs Leben geht, dann muss man gar nicht weit verreisen: Man kann hoch spannende Entdeckungen auch zu Hause machen, auch auf Nordstrand – und beispielsweise auch in diesem kleinen Museum; und wenn Sie das mit einer kleinen Spende unterstützen würden, dann wäre ich Ihnen sehr dankbar; um weitere spannende Ausstellungsstücke beschaffen zu können… Und dann besuchen Sie mich vielleicht eines Tages hier wieder. So wissen ja: „…Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…“ – Dieser bewusst etwas märchenhafte Schluss ganz bewusst für alle, die das, was ich gerade erzählt habe, nicht ,einfach so’ glauben wollen: Der Besuch in diesem Museum und auch Vorträge wie dieser haben ja vor allem ein Ziel: Das Interesse an Natur und Geschichte zu wecken und sich dann selbst mit diesen Themen näher zu befassen.

Vortrag 1. Weltkrieg und NEUES vom „Sturmflutkelch von Nordstrand“

Beginn des 1. Weltkrieges: Es war alles ganz anders,

machte schon vor 90 Jahren die ,Reporterlegende’ Egon Erwin Kisch deutlich.

„Keiner wollte den Krieg“, hieß es am 28.4.2014 in der ZDF-Dokumentation „Sarajevo – Der Weg in die Katastrophe“ zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges.

Nur wenige Persönlichkeiten ehrten die Bundesrepublik Deutschland  u n d  die Deutsche Demokratische Republik mit einer Briefmarke. Zu diesen Wenigen zählt Egon Erwin Kisch, noch heute das große Vorbild vieler Journalisten; und jener ,rasende Reporter’ Kisch hatte bereits 1924 ein Buch („Der Fall des Generalstabschefs Redl“) veröffentlicht,

das den Ausbruch des 1. Weltkrieges in ein gänzlich anderes Licht rückte ebenso den Fall rund um den angeblichen „Jahrhundertspion“ Oberst Redl      und auch die Zusammenhänge zwischen dem Ausbruch des Weltkrieges und dem ,Fall Redl’ deutlich machte, den Kisch selbst 1913 als erster Journalist publik gemacht hatte.

Kischs (journalistisches, nicht ,geschichtswissenschaftliches’) Buch blieb bislang von der Forschung weitgehend unbeachtet und ist deshalb im (Naturkunde- und) Buch-Museum Nordstrand Thema eines Vortrages, der bei telefonischer Voranmeldung ab 3 Personen dort (oder auch andernorts im Umkreis von 50 km) jederzeit gehalten werden kann.

Der Vortrag basiert auf einer „stilistischen Sonderform“, die Guido Schmitz entwickelt hat: zwar eine Art ,Sachbuch’, jedoch als fiktives Vater-Sohn-Gespräch verfasst und deshalb ,locker’ formuliert: Guido Schmitz, „Doppelagent auf höchsten Befehl, Egon Erwin Kisch und der Spionage-Fall um Oberst Alfred Redl“. Unter dem Pseudonym Jessy von Hasselberg hatte sich ders. in gleichem Stil auch mit Edgar Wallace und dessen 1. Kriminalroman auseinandergesetzt (Edgar Wallace und ,Die Vier Gerechten’, Ein Krimi-Experiment). Bereits 2007 war ein erstes Buch dieser Art – Guido Schmitz, In den Klauen von T. Rex, Das unfassbare Schicksal des Saurierforschers Gideon Mantell – erschienen, das 2008 vom Goethe-Institut auf die Auswahlliste für das Große Deutsche Sprachdiplom im Bereich Naturwissenschaft gesetzt worden war

NEUES vom Sturmflutkelch:

Nach fast 15 Jahren Vorarbeit ist die Replik des „Sturmflutkelches von Nordstrand“ kurz vor Ostern 2014 fertig geworden. Ab sofort gibt es im Buch- und Naturkunde-Museum Nordstrand dazu auf Wunsch einen Vortrag. Erhältlich sind auch Briefmarken, Postkarten und ein Puzzle mit dem Motiv „Sturmflutkelch“.

Für die Überlassung des Fotos danke ich dem Husumer Filmemacher Martin Tiefensee

Für die Überlassung des Fotos danke ich dem Husumer Filmemacher Martin Tiefensee

Workshop für Buch-Autoren

Bei weiterem Bedarf finden auch künftig am letzten Samstag eines Monats  im „Buch- und Naturkunde-Museum Nordstrand“ ein jeweils halbtägiger Workshop für angehende Buch-Autoren statt. Die Teilnehmerzahl pro Workshop ist auf maximal -10- begrenzt; die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 20,- €. Anmeldungen bitte per email an kontakt@schmitz-verlag.de oder per Telefon: 04842 900 215.

In der Einleitung geht es um grundsätzliche Aspekte wie: Hat ,mein Thema’ eine Chance auf dem Buchmarkt, welche Zielgruppe will ich ansprechen, wie wende ich mich an einen Verlag oder soll mein Buch im Selbstverlag erscheinen, welche Vor- und Nachteile haben ein Selbstverlag oder die Veröffentlichung beispielsweise bei libri-bod, soll mein Buch als ebook oder als gedrucktes Buch erscheinen, wie erfolgt die Gestaltung des Ladenpreises, braucht mein Buch eine ISBN, wer muss „Pflichtexemplare“ erhalten, wie geht man mit dem Buchhandel um und wie mache ich Werbung für mein Buch? Nach einer Pause werden praktische Tipps zum inhaltsbezogenen und zum technischen Vorgehen vermittelt. Im Anschluss daran können konkrete Fragen aus dem Teilnehmerkreis erörtert werden.

Geleitet wird der Workshop von Manfred-Guido Schmitz. Der Historiker und frühere Zeitungs-, Radio- und Fernsehjournalist hat rd. 70 Bücher verfasst/herausgegeben und führt seit 1977 einen eigenen Verlag, in dem rd. 150 gedruckte Titel und ebooks erschienen sind.

Die Workshops waren am 12. und 13. April sehr erfolgreich gestartet mit einem zweitägigen Krimi-Workshop, den die Nordstrander Krimiexpertin Doris Heinze geleitet hatte. Die 11 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen nun, betreut von Doris Heinze, eigene Krimi-Kurzgeschichten verfassen, die von einer prominent besetzten Jury (Hannes Nygaard und Hanne Nehlsen) bewertet werden und anschließend im Nordstrander M.-G.-Schmitz-Verlag veröffentlicht werden sollen. Vorgesehen ist, diesen Krimi-Workshop erneut anzubieten.

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